Zertifizierung zum Social Media-Manager

Ein Erfahrungsbericht

Den Beruf des Social Media Managers gibt es erst seit einigen Jahren. Weiterbildungs- oder Studienangebote hat man lange vergeblich gesucht, nach und nach etablieren sich aber verschiedene Angebote.

Ich habe vor einiger Zeit eine Zertifizierung zum Social Media Manager an der TH (ehemals FH Köln) absolviert. Immer wieder werde ich nach meinen Erfahrungen mit dem Anbieter gefragt, auch wenn diese bereits etwas zurückliegen. Zeit also, das Thema endlich mal in einem Blogartikel aufzuschreiben.

Ich war damals schon freiberuflich tätig und hatte auch Berufserfahrung als Social Media-Manager. Meine Motivation für die Weiterbildung lag daher vor allem darin ein Zertifikat zu erhalten. Auch wenn ich gute Referenzen vorweisen konnte, so gibt es immer noch viele Auftraggeber, die großen Wert auf Zeugnisse und Zertifikate legen.

Entscheidung für die TH Köln

Zu dem Zeitpunkt als ich mich für die Weiterbildung entschieden habe, gab es noch kaum Anbieter auf dem Markt. Meine Entscheidung für die TH Köln (damals FH Köln) traf ich vor allem aus zwei Gründen

  1. Ich finde ein Zertifikat einer FH wertiger als das einer IHK. Hier kommt es sicher auf den Kontext bzw. das Fach an, auch ist das meine rein subjektive Meinung, andere mögen dies anders sehen und einer IHK den Vorzug geben. Für mich war diese persönliche Wertigkeit damals mit ein Kriterium.
  2. Ich wollte einen Präsenz- und keinen Online-Kurs. Auch wenn das Internet mein Beruf ist und ich tagtäglich viele Stunden dort verbringe, wollte ich während dem Kurs doch persönlich, real, vor Ort mit Leuten diskutieren und zusammenarbeiten.

Pro und Contra der Weiterbildung an der TH Köln

Pro

Präsenzveranstaltung

Block StiftIch habe es oben bereits erwähnt. Für mich mit ein Hauptentscheidungskriterium waren die Präsenzveranstaltungen vor Ort und dies hat sich auch als guter Punkt erwiesen. Diskussion und Austausch finden real anders statt als virtuell. Gruppenarbeit lässt sich besser erledigen, wenn man zusammen in einem Raum sitzt und die Gespräche auf dem Flur gehören eben auch dazu.

Ich bin ein Freund virtueller und ortsunabhängiger Arbeit, mit ein Grund für meine Selbständigkeit, doch in diesem Fall war eine Präsenzveranstaltung die bessere Entscheidung für mich.

Die Dozenten

Einige der Dozenten waren richtig gut. Sie hatten großes Praxiswissen und konnten dieses entsprechend vermitteln. Auch berufserfahrene Teilnehmer konnten hier noch einiges lernen und Einblicke in andere Unternehmen und Strategien bekommen.

Die Kursteilnehmer

Die Teilnehmer waren motiviert und engagiert. Die Teilnehmer hatten sich freiwillig für diesen Kurs entschieden, zahlten diesen teils aus privater Kasse und reisten teilweise quer durch Deutschland um sich von Donnerstag bis Samstag mit anderen zum Thema Social Media auszutauschen und weiterzubilden.

Contra

Werbeveranstaltung

Ein Schwerpunkt der Zertifizierung lag im Bereich Monitoring. Monitoring ist wichtig für den Beruf des Social Media-Managers. Jedoch wurde neben einem halben Tag, der die Grundlagen behandelte noch ein kompletter Tag (von insgesamt 9 Weiterbildungstagen) auf die Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten eines bestimmten Tools verwendet. Nicht nur, dass sich dieses Tool nur für sehr große Unternehmen und deren Datenmengen lohnt, so kam ich mir auch die ganze Zeit vor wie in einer Werbeveranstaltung für dieses Unternehmen. Was auch daran gelegen haben mag, dass der Lehrstuhl und der Toolanbieter personell miteinander verwoben sind. Weniger Monitoring, dass nur auf ein einziges Tool für Großunternehmen ausgelegt ist und mehr Zeit für Basic-Themen hätten dem Kurs gut getan.

Die Dozenten

Ja, die Dozenten habe ich bereits in meiner Positivliste erwähnt. Doch so unterschiedlich die Personen sind, so unterschiedlich fällt auch deren Bewertung aus. Bei einigen Dozenten hat man gemerkt, dass diese noch nicht wirklich in der Praxis gearbeitet haben, sondern ihr Wissen nur aus der Theorie beziehungsweise Strategie-Entwicklung haben. Diese theoretischen Parts waren gut, doch wenn es dann Fragen aus der Praxis gab, konnten einige der Dozenten diese Fragen nicht beantworten.

Wirklich geärgert habe ich mich über die Aussage eines Dozenten „Es kann auch eine Strategie sein zu sagen, es bleibt so wie es ist…“ Vorangegangen war die Präsentation einer Hausarbeit. Anhand eines eigen gewählten Unternehmens sollten wir die aktuelle Social Media Strategie analysieren und erarbeiten, welche Verbesserungen sinnvoll wären. Der Dozent hat dann 5 Personen ausgewählt, die ihre Strategie präsentieren sollten. Ein Teilnehmer kam dann zu der Erkenntnis, dass alles gut sei und es an der Social Media Strategie nichts zu ändern gäbe. Eine Strategie kann und sollte ständig evaluiert und verbessert werden und gerade in der schnelllebigen Social Media Welt, müssen stetige Anpassungen vorgenommen und neue Tools geprüft werden. Hier zu sagen alles sei gut und es gäbe keinerlei Aspekte, die man sich neu anschauen oder verbessern können, ist schlichtweg falsch. Vor allem in einer Weiterbildung, wenn das Thema der Hausarbeit das Erarbeiten von Verbesserungsmöglichkeiten ist. Auf Nachfragen und Beschwerden einiger Kursteilnehmer kam dann obiger Satz des Dozenten, auch Stillstand sei eine Strategie.

Die Kursinhalte

laptopSo unterschiedlich die Dozenten waren, so unterschiedlich waren auch die Ausrichtungen einzelner Kursbestandteile. Grundsätzlich gefehlt haben mir einige Basics, wie zum Beispiel was muss ich beim Einrichten eines Facebook-Accounts beachten. Teilnehmer, die vorher noch nicht in der Praxis gearbeitet haben, waren somit nach der Weiterbildung nicht in der Lage professionell und ohne weitere Hilfe einen Account anzulegen.

In einem der Kurse in einem späteren Jahr sollten die Teilnehmer erarbeiten was Facebook, Twitter und Pinterest ist. Anstatt sich Maßnahmen und Strategien für die Kanäle zu überlegen, was eigentlich Bestandteil des Kurses sein sollte. Was Facebook ist, sollte nicht während einer Weiterbildung erarbeitet werden. Sofern ich dies nicht eh weiß, wenn ich mich zu der Weiterbildung als Social Media Manager anmelde, kann man dies in kurzer Zeit nachlesen oder vom Dozenten per Erklärung vorab erläutert werden.

Was könnte die TH sonst noch verbessern?

Unterschiedlicher Wissenstand der Kursteilnehmer

Klar, dieses Problem wird man immer und überall bei einer Weiterbildung haben. Dennoch waren die Unterschiede gravierend und dies ist schlecht für beide Seiten. Personen, die noch nicht so viel Wissen haben, trauen sich nicht ihre Fragen zu stellen, wenn sie denken, dass sie die einzigen sind, die diese Frage haben. Personen mit einem hohen Wissensstand können ihre Themen nicht voranbringen, da zuerst die Basics besprochen und erklärt werden müssen.

Eine Abhilfe könnte sein, in dem den Kursteilnehmern vorab einige Buchempfehlungen zur Vorbereitung auf den Kurs empfohlen werden. Und ja, trotz des schnellen digitalen Wandels gibt es einige gute Bücher, die als Grundlage dienen können. Aufgrund unseres Vorschlags wurde im Folgejahr auch eine Buchempfehlung ausgesprochen. Leider wurden hier sämtliche Dozenten um eine Empfehlung gebeten und statt 1-2 Bücher als Grundlage wurden gleich 30 Bücher zur Vorbereitung empfohlen. Auch dies finde ich nicht wirklich zielführend.

Nicht immer ist es aber auch der alleinige Fehler des Anbieters. Auch die Teilnehmer müssen sich bewusst sein, an welchem Programm sie teilnehmen. So gab es in unserem Kurs eine Person, die auch im zweiten Modul noch keinen Facebook- oder Twitter-Account hatte.

Die Organisation

Bibliotheksausweis und Richtlinien für die Hausarbeiten wurden erst übermittelt bzw. zu gestellt, nachdem die erste Hausarbeit bereits abgegeben war. Informationen waren teils falsch oder ungenügend was die Ausgestaltung des Kurses anging, leider hat man dies dann erst festgestellt, wenn man bereits in selbigem saß.

Auch die Webseite der TH ist im Hinblick auf die Dozenten schon seit Jahren nicht mehr aktuell.

Kosten der Zertifizierung

Im Vergleich zu anderen Angeboten war die TH damals um einiges günstiger als andere Anbieter. Die Kosten für den Kurs gehörten nicht zu meinen Hauptentscheidungskriterien, schließlich hatte ich mich dafür entschieden in meine Ausbildung zu investieren, da standen andere Kriterien im Vordergrund, war aber natürlich ein sehr willkommenes Extra. Doch ist in diesem Fall günstiger auch gut oder werden hier Abstriche bei der Qualität gemacht?  Die Gründe, warum der Kurs soviel günstiger ist als bei anderen Anbietern wurden uns dann auch gleich während der Einführungsveranstaltung mitgeteilt. Zum einen ergeben sich die geringeren Kosten durch eine bereits vorhandene Infrastruktur. Räume und Personal können von der TH Köln mit genutzt werden, so fallen weder Miet- noch Personalkosten, außer den Kosten für die Dozenten, an. Auch arbeitet eine TH nicht auf Gewinnmaximierung.

Fazit

Meine Teilnahme an der Zertifizierung ist bereits einige Jahre her, ich habe den Kurs 2013 belegt und vermutlich oder besser gesagt hoffentlich, hat sich seit dieser Zeit einiges an dem Kurs geändert. Wir wurden damals um ein Feedback gebeten, welches ich und die anderen auch ausführlich und konstruktiv gegeben haben.

Social Media entwickelt sich rasant schnell und ist heute viel etablierter als es noch vor einigen Jahren war. So ist auch heute ein anderer Wissensstand und ein anderes Angebot der Weiterbildungen gegeben.

Würde ich den Kurs empfehlen?

Ja, auch wenn die Negativliste oben relativ lang erscheint, habe ich es nie bereut dass ich den Kurs gemacht habe. Solange man sich der negativen Punkte bewusst ist, würde ich den Kurs an der TH Köln auch weiterhin empfehlen. Vieles steht und fällt sowieso mit den einzelnen Dozenten.

Wer auf der Suche nach einem anderen Anbieter ist, hat verschiedene Möglichkeiten. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Angebote hinzugekommen. Neben der bereits erwähnten Möglichkeiten eine Weiterbildung an einer IHK zu absolvieren gibt es auch noch einige andere Anbieter. Die LVQ bietet einen Kurs an, der soweit ich gehört habe, echt gut sein soll. Für einige interessant sein könnte auch das Angebot der Leipzig School of Media. Die Social Media Akademie ist ein sehr bekannter Anbieter, doch ich kenne die Kurse persönlich nicht und höre hier widersprüchliche Meinungen von Teilnehmern. Aber vermutlich ist das immer so. Man muss sich eben selbst ein eigenes Bild verschaffen.

Wer auf der Suche nach einem Zertifikat ohne dazugehörige Weiterbildung ist, wird beim Bundesverband Community Management e.V. für digitale Kommunikation und Social Media fündig. Seit einiger Zeit bietet der BVCM, in dem ich auch Mitglied bin, ein Zertifikat für Social Media-Manager an. Das Wissen für die Teilnahme kann entweder durch eine Weiterbildung bei einem etablierten Anbieter oder durch adäquate Berufserfahrung erworben werden.

Habt ihr eine Weiterbildung in dem Bereich absolviert? Wie waren Eure Erfahrungen?

Tanja

Veröffentlicht von

www.walkaboutmedia.de

Tanja Laub berät Unternehmen und Einzelpersonen zu allen Themen der digitalen Kommunikation. Die Einrichtung von Social Media-Präsenzen und der Aufbau einer Community gehören ebenso zum Leistungsangebot wie Projektmanagement und die Erstellung von Konzepten.

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