BarCamp Ruhr 8 – Von VPA bis Bevölkerungsschutz

Ich bin restlos begeistert und nein, ich rede nicht vom BarCamp Ruhr #bcruhr8, welches großartig war, sondern vom Unperfekthaus in Essen. Bevor das BarCamp überhaupt starten konnte, hatte mich die Location schon absolut umgehauen.

Das Unperfekthaus ist einfach grandios und strahlt an jeder Ecke Kreativität aus, das beginnt schon vor Eintritt in das Gebäude, die Fassade ist mit einer Kugelbahn gestaltet und ja sie funktioniert auch. Ich hab aufs Knöpfchen gedrückt und es ausprobiert 😀

BarCamp Ruhr SessionplanungAm zweiten Tag habe ich mich dann auch in den verwinkelten Fluren und verschiedenen Ebenen nicht mehr verlaufen. In sechs ganz unterschiedlichen Räumen wurden die Sessions abgehalten. Doch zuvor stand natürlich die Sessionplanung und Vorstellungsrunde auf dem Programm. Diese war sehr amüsant zog sich aber leider sehr lange hin, dies lag zum einen an den doch sehr langen Vorstellungen einzelner Teilnehmer, sowie an der sehr ausführlichen Beschreibung der beiden Gastgeber, so dass der erste Session-Slot leider, leider verfallen musste. Um 12:00 ging es dann endlich mit den ersten Sessions los. Der Plan kann hier nochmal nachgelesen werden: TimeTabler.

Der Sessionwunsch einer Teilnehmerin „Twitter für Newbies“ hat mich dazu gebracht mal einen Artikel für Twitter Neulinge zu schreiben: Twitter für Einsteiger

Arbeiten mit einem virtuellen persönlichen Assistenten

Unperfekthaus InternetSofaIn der ersten Session, die ich besucht habe ging es um VPA (Virtual Personal Assistents). @joergviola berichtete von seinen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit virtuellen persönlichen Assistenten aus dem Ausland. Er benötigt vor allem Unterstützung im Bereich php5 und findet nach eigenen Aussagen in Deutschland keine geeigneten Kandidaten. Aus diesem Grund hat er sich entschlossen verschiedene Projekte virtuell ins Ausland zu verlagern.

Der Zeitaufwand für ein solches Unterfangen ist gerade zu Beginn sehr groß, Anforderungen müssen genau definiert, passende Kandidaten gefunden, erste kleine Projekte und Briefings miteinander durchgeführt und eine Kontrolle und Endabnahme durchgeführt werden. All diese Zeitfaktoren sollte man nicht unterschätzen. Später lassen sich laut seinen Erfahrungen aber zeitliche Einsparungen von 60-70% der eigenen Arbeitszeit realisieren. Als problematisch stellten sich vor allem Sprach- und Verständigungsprobleme heraus.

Die Auslagerung ist dabei „kein Wundermittel, sondern es steckt wirklich Arbeit drin“. Organisieren kann man sich am besten mit Google Docs und fest vereinbarten Skype-Terminen.

Unperfekthaus SesselViel diskutiert wurde über den Punkt, in wie weit eine solche Auslagerung ethisch vertretbar ist und welche Auswirkungen dies auf die Wirtschaft vor Ort hat. So zahlt der Sessiongeber statt den vor Ort üblichen 7$/Stunde, 25$/Stunde, da er seine Vertragspartner nicht ausbeuten möchte. Dies führt zwar dazu, dass die Personen gerne für ihn arbeiten, gleichzeitig verdienen diese dann aber um ein vielfaches dessen, was andere Personen im Land verdienen und ortsansässige Firmen können sich so die Programmierer vor Ort oft selbst nicht mehr leisten.

Bei einem Einzelnen mag dies keine Auswirkungen haben, aber in der Summe? Dies kann unter Umständen das wirtschaftliche Wachstum im Land bremsen, so die Überlegungen für das Für und Wider der Beschäftigung eines VPA und der Zahlung höherer Löhne. Ein Session-Teilnehmer brachte auch den Diskussionspunkt auf, dass wenn man den Gedanken der Ethik konsequent fortsetzt, dass dann niemand technische Produkte wie Appel und Co nutzen darf, da Unperfekthaus Schildauch diese oftmals unter schlechten Bedingungen im Ausland gefertigt werden. Wenn man den Punkt diskutiert, so müsste man ihn ganzheitlich unter dem Punkt der Globalisierung betrachten.

Ein weiterer Teilnehmer berichtete davon, dass er solche Plattform zum Austausch Wissen gegen Wissen nutzt. Anstatt einer Entlohnung durch Geld, erfolgt der gegenseitige Austausch von Wissen und Dienstleistungen z.B. Grafik gegen Programmierung.

Community und Journalismus

Unperefekthaus SonnenkammerIn der Session von @StanVitte wurde anhand von vielen Fallbeispielen darüber diskutiert, wie eine aktive Community für den Journalismus genutzt werden kann. Gerade in den letzten Jahren hat sich das Zusammenspiel zwischen Usern / Lesern und Redaktion verändert. User werden aktiver in das redaktionelle Geschehen mit eingebunden, beispielsweise durch Umfragen oder Reaktionen auf Kommentare. Besonders Interessant fand ich, dass es in der USA seit neustem sogar einen eigenen Studiengang Community Journalism gibt.

Bevölkerungsschutz auf Twitter

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe @BBK_Bund war mit zwei Sessions und zwei Mitarbeitern auf dem BarCamp Ruhr als Sponsor vertreten. „Bevölkerungsschutz und Notfallvorsorge“ war Thema der Session am Samstag.

Unperfekthaus Tür2Katastrophenschutz ist Ländersache, daher gibt es 16 verschiedene Katastrophenschutzgesetze in Deutschland. In den Bereich Katastrophenschutz fallen zum Beispiel die Themen Feuer und Stromausfall. Auch bei größeren Schäden, wie beispielsweise dem Pfingststurm im letzten Jahr, ist in erster Instanz die Kommune verantwortlich. Das Bundesamt hingegen ist für den Zivilschutz zuständig. Zivilschutz bezieht sich auf eine Bedrohung von außen. Eines der wichtigsten Themen ist hierbei die Warnung der Bevölkerung. So können beispielsweise die Anzeigen der deutschen Bahn oder auch lokale Radiostationen im Notfall gezielt mit Informationen bespielt beziehungsweise versorgt werden.

Für Notsituationen sollte jeder Haushalt genügend Wasser für 2 Wochen auf Vorrat haben. Mindestens 1 Liter pro Tag, pro Person sollte rein als Trinkwasser gerechnet werden.

Am zweiten BarCamp-Tag erzählte @katjazwitschert in der Session „BBK goes Social“ über den Weg einer Bundesbehörde in die sozialen Netzwerke. Der Weg bis zum ersten Tweet hatte 1,5 Jahre der Vorbereitung. In dieser Zeit wurden die internen Strukturen geschaffen, Monitoring betrieben, Social Media Guidelines erarbeitet und überlegt, welcher Kanal überhaupt bespielt werden soll. Auf Twitter als erste Social Media Plattform viel die Entscheidung, da auf diesem Weg schnell Medienvertreter und andere Influencer erreicht werden können, die wichtige Informationen rasch weiterverbreiten können.

Unperfekthaus Tür1Der rasante Start des Twitter-Accounts überraschte dann die eigenen Mitarbeiter, so hatte @BKK_Bund am zweiten Tag bereits 1.000 Follower, in den internen Planungen war dieser Stand eigentlich erst für 2-3 Wochen später anvisiert worden.

Agile Arbeitsweisen in Unternehmen

Die agile Organisation war Thema meiner dritten Session. Hier wurde diskutiert wie man die Arbeitsweisen in Unternehmen und Organisationen agiler gestalten kann. Hierzu berichtete Daniel als Mitarbeiter des Sponsors Rewe Digital und eine Mitarbeiterin des Sponsors InVision von den agilen Arbeitsweisen im eigenen Unternehmen.

Diese drücken sich beispielsweise dadurch aus, dass es keine Timelines bei Projekten mehr gibt. „Du wirst etwas zum Zeitpunkt x bekommen, ich kann Dir aber noch nicht sagen, was das dann sein wird“ oder dass keine Hierarchien mehr existieren. So kann jeder in verschiedenen Bereichen Themenexperte werden, starre wie bisher bekannte Hierarchien werden davon abgelöst. Nicht alle Mitarbeiter fühlen sich mit diesen neuen Unternehmensstrukturen wohl.

Unperfekthaus Tür2Gerade das Thema Transparenz spielt eine große und wichtige Rolle bei agilen Arbeitsweisen. So werden nicht mehr gezielt E-Mails an ein, zwei ausgewählte Personen geschickt, sondern alle Informationen für alle transparent und zentral zur Verfügung gestellt. Dies kann so weit gehen, dass alle Mitarbeitergehälter intern öffentlich abgebildet werden, dass die Mitarbeiter selbst offen und transparent über die Vergabe von Weiterbildungsbudgets bestimmen und dass jeder Mitarbeiter selbst entscheiden kann, von wo gearbeitet wird und wie viel Urlaub pro Jahr er oder sie haben möchte.

Einige Quintessenzen aus der Diskussion waren:

  • Menschen lassen sich schwerer ändern, als Organisationen.
  • Fehlerkultur: Habt keine Angst Fehler zu machen.
  • Änderungen brauchen Zeit. Meist einige Jahre.
  • Eine Umsetzung ist bei Widerstand von oben fast nicht möglich.
  • Die neuen Arbeitsweisen müssen ständig vorgelebt werden, sonst verfällt man in alte Strukturen zurück.
  • Die Umsetzung muss immer sehr individuell erfolgen. Es gibt keine festen Steps oder Konzepte.
  • Das genutzte Tool ist nicht entscheidend, sondern die Prozesse, mit denen man arbeitet.

Und sonst so?

Unperfekthaus WintergartenIch muss unbedingt noch den Film Augenhöhe schauen. Denn dieser war Dauerthema am BarCamp-Wochenende. Ich hab es immer noch nicht geschafft die beiden hochgelobten Sessions von @50hz & @51hz zum Thema Bienen und Honig, sowie die Suizid-Session „5ways to leave your life – Geschichten aus dem Krankenhaus“ von @fripi zu besuchen.

Und ich überlege mir jetzt, wie ich das Unperfekthaus von Essen nach Köln beamen kann :-)

Vielen Dank an die Sponsoren des BarCamp Ruhr, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich wäre.

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Weitere Berichte über das 8. BarCamp Ruhr:
Oliver Ueberholz: War das lange erwartete Comeback erfolgreich?
Hubert Mayer: Das BarCamp Ruhr ist zurück
Johannes Mirus: BarCamp Ruhr 8

Tanja

Veröffentlicht von

www.walkaboutmedia.de

Tanja Laub berät Unternehmen und Einzelpersonen zu allen Themen der digitalen Kommunikation. Die Einrichtung von Social Media-Präsenzen und der Aufbau einer Community gehören ebenso zum Leistungsangebot wie Projektmanagement und die Erstellung von Konzepten.

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